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Auf der Flucht 1945 in Groß Poplow
Gross Poplow war vom 29. Januar bis zum 20.
Februar 1945 unser kurzer Aufenthalt auf der "Grossen Flucht".
Ich
stamme aus Slonsk (Thorn) und habe mit Eltern und Geschwistern als Zehnjähriger
die Flucht auf einem Pferdewagen im großen Treck miterlebt.
Von Baerwalde kommend, legten wir in einem
unbekannten Dorf eine kurze Futterpause ein. Es war ein kalter Tag und es
begann zu schneien. Man riet uns bis nach Gross Poplow zu fahren wo wir
bestimmt eine Übernachtungsmöglichkeit fänden. Jemand in diesem Dorf
hat bestimmt aus Mitleid mit uns - nachdem er unsere völlig entkräfteten
Pferde gesehen - zur Gutsverwaltung angerufen, um zu bitten, uns einige
Gespanne entgegen zu schicken. Am Spätnachmittag, als es bereits zu dunkeln
begann und wir nur mühsamst in dem schweren Schneegestöber vorwärts
kamen, erschienen wie Gespenster einige Gespanne. Die Kutscher stellten sich
vor, spannten kurzerhand ihre schweren Pferde vor unsere Wagen und ab ging's
die etwa 10 km bis zum Gutshof Gross Poplow. Welch Wunder - und andere Wunder
folgten:
Wir, wohl an die fünfzig Menschen in unserem
Treck, durften in den inzwischen vorgeheizten Grossen Saal im Gutsgebäude.
Man gab uns eine köstliche Mahlzeit, wir Kinder wurden gebadet und man
bettete uns auf frischem Stroh im Saal. Voll Dankbarkeit denke ich an die
hilfsbereiten Menschen!
Am nächsten Tag verteilte uns der Bürgermeister
auf Familien im Dorf. Nicht ein einziger der Dorfbewohner weigerte sich, uns
aufzunehmen. Wie gute Freunde nahm man uns in den kleinen Häusern auf. Die
herzensguten Menschen teilten ihr "Alles" mit uns.
Unsere Großfamilie, Eltern mit neun Kindern,
kamen zu drei Familien. Leider habe ich die Namen dieser so herzensguten
Menschen vergessen, bei denen wir einquartiert waren. Ich kann mich nur an den
Namen "Fenske" erinnern.
Ach, wie schmeckte Oma's ? Schwarzsauer!
Meine Brüder und ich wohnten im zweitletzten Haus
auf der rechten Seite der Strasse, die zum Backofen führte.
Ich muss mich bedanken für alles Liebe und Gute,
das diese einfachen, rechtschaffenen und herzensguten Menschen unserer Großfamilie
selbstlos schenkten.
Als wir am 20. Februar 1945 Abschied von unseren
Gastgebern nahmen, blieb kein Auge trocken. Ahnte man, dass es auf dieser Erde
kein Wiedersehen geben würde ?
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